Page 33 - Bürgerinformationsbroschüre Amt Peitz
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PeiTZer KArPFen
In Peitz hat die Karpfenproduktion eine jahrhundertealte Tradition. Die Ursprünge
der Fischerei reichen nach gegenwärtigen Forschungsergebnissen bis ins 15./16.
Jahrhundert zurück. In dieser Zeit entstand vor den Toren der Stadt Peitz das
größte zusammenhängende Teichgebiet Deutschlands mit einer Fläche von ca.
1.000 Hektar.
Bewässert über den das Areal umfließenden Hammergraben, einem künstlichen Ne-
benarm der Spree, prägen kaskadenförmig angelegte Teiche unterschiedlicher
Größe (von 1 ha bis einem der größten Teiche Deutschlands mit über 200 ha) das
Landschaftsbild.
Die Nähe zu Städten wie Cottbus, Guben und Forst als auch die gute Erreichbar-
keit von Berlin auf dem Wasserweg oder per Bahn gaben den Peitzer Teichwirten
in der Vergangenheit die Garantie eines verlässlichen Absatzes und guter Preise.
Die Peitzer Teichwirtschaft entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Karpfen-
zuchtbetriebe. Amtsrat Kunert ist es zu verdanken, dass um 1890 mit der Zucht Das Hüttenwerk
des heute bekannten Peitzer Karpfen begonnen wurde. Um die Jahrhundertwende
(19./20. Jahrhundert) fand über fast 50 Jahre hinweg die Cottbuser Karpfenbörse „Hausfrau/-mann“ in ganz Deutschland. Jeder 20. Karpfen, der hierzulande irgend-
statt, das wichtigste Forum seiner Zeit für Produzenten und Händler in Mittel- wo vom Teller verzehrt wird, wurde in Peitz gezüchtet.
europa. Auch die Berufung zum königlich-preußischen Hoflieferanten war Aus- Der Peitzer Karpfen ist mit der Stadt Peitz untrennbar verknüpft. Denn nicht nur
druck und Wertschätzung der hohen fischereilichen Kunst der Peitzer Fischer. sein Absatz ist für die Peitzer Fischer relevant. So gelang es mit vielen regionalen
Bedeutende Wissenschaftler nutzten die Produktion in Peitz für ihre wissen- Partnern in den letzten Jahren, Teile des denkmalgeschützten Ensembles „Eisen-
schaftlichen Untersuchungen; so zum Beispiel Professor Schäperclaus, der hier und Hüttenwerk“ zu sanieren. Als Eisenhütte errichtet und genutzt, später fische-
umfassende Studien für seine Standardwerke zur Karpfenzucht betrieb. Heute be- reilichen Aspekten gewidmet, befindet sich hier heute ein Museumskomplex aus
treiben die Fischer neben der Aufzucht des Peitzer Karpfen auch die Produktion an- einer Hochofenhalle, einem Museum zur Industriegeschichte der Stadt Peitz sowie
derer Feinfische wie Hecht, Wels, Zander oder auch Aal, Forelle und Stör. das „Brandenburgische Fischereimuseum“. Zusätzliche Führungen durch das Teich-
Die Beschaffenheit der Peitzer Teiche, bewirtschaftet von hochqualifizierten Fach- gebiet vermitteln Interessierten einen Einblick in eine einmalige Kulturlandschaft
kräften, die traditionelles Handwerk mit modernen Verfahren der Fischzucht ver- mit einer riesigen Artenvielfalt. Fauna und Flora sind wesentliche Bestandteile der
binden, lässt einen Fisch entstehen mit festem, wohlschmeckendem Fleisch, der täglichen Arbeit der Peitzer Teichwirte und werden durch ihr Wirken erhalten. Dies
auch weit über die Region hinaus geschätzt und gern gegessen wird. Etwa eine vermittelt auch das im Rahmen der Peitzer Karpfenwochen alljährlich Ende okto-
halbe Million Speisekarpfen werden jährlich in den Teichen aufgezogen. Der Peitzer ber stattfindende Große Abfischen am Hälterteich, wo der Besucher dem Fischer
Karpfen als besondere Zuchtform wird selbst vermehrt. Seine hervorragende Qua- über die Schulter schauen und sich vom Genuss fangfrischen Karpfens (und natür-
lität überzeugt auch heute noch viele Kunden, ob Groß- oder Einzelhändler und lich anderer Edelfische) überzeugen kann.
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